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Alt 08.05.2003, 23:40
Gast
 
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Standard Wie kann ich meiner Mutter helfen?

Hallo, Mucki, hallo Kerstin,

mein Vater, den ich sehr liebe, ist seit Ende Februar leider nicht mehr bei uns. Ich bin unsagbar traurig, habe aber wie Kerstin das "Glück" durch viel Turbel im Beruf Ablenkung - die natürlich auch ganz oft ganz schrecklich nervt ("...mit was für Nebensächlichkeiten beschäftige ich mich eigentlich hier...?). Und ich lebe mit meinem Freund zusammen, der (meistens) viel Verständnis für meine Heulerei und meine Nervenkrisen hat.
In der wirklich knappen Freizeit versuche ich mich mit meinem letzten Hobby - dem Garten - abzulenken.

Nachfolgend ein banales Beispiel für meinen Alltag:

Meine Mutter ist jetzt allein. Nach einem Jahr Sterben meines Vaters. Ich weiß, daß das furchtbar für sie sein muß und deshalb bin ich jeden Abend nach der Arbeit bei ihr in meinem Elternhaus, fahre mit ihr einkaufen oder in den Schrebergarten, den meine Eltern seit 40 Jahren haben. Pflanze nach Feierabend Kartoffeln oder gieße Blumen, mähe Rasen usw. Was eben so anfällt. Ich habe selbst einen Garten und ich liebe diese Arbeit.
Abgesehen davon, daß ich den ganzen Tag durch meine hektische Arbeit nicht viel zu essen kriege und sich die Abendbrotzeit durch den Schrebergarten für mich ein paar Stunden nach hinten verschiebt und ich in meinem eigenen Garten geschweige denn im Haushalt noch viel hinkriege, helfe ich ihr eigentlich ganz gerne. In der Zeit als es meinem Pa nicht gut ging, war ich auch oft da und mit meinem Freund am Helfen. Mein Papa hat genau wie ich gerne gegärtnert. Als meine Ma dann allein war, wußte sie nicht so recht, ob sie den Garten behalten soll. Sie hat es dann getan, weil alle Bekannten ihr dazu geraten haben - wegen der Kontakte usw. Ich auch. Sie ist auch bei gutem Wetter fast jeden Tag draußen; schimpft aber nur über die viele Arbeit.

Heute war ich wieder da - in besagtem Schrebergarten. Nach der Arbeit gegen 18.00 Uhr, um meiner Ma Pflanzen vorbeizubringen. Die habe ich selbst ausgesät und vorgezogen - alles mögliche, von Tomaten bis Auberginen, Sellerie Salat, Zucchini usw. - wie jedes Jahr. Ich hatte sie vorher natürlich gefragt, ob und was sie haben will - und genau das hat sie bekommen. Zwei Pflanzen noch zusätzlich für eine Nachbarin, der auch erst vor kurzem der Mann verstorben ist. Es sind schöne, große und stabile Pflanzen. Vom Parkplatz bis zum Garten bin ich dann 5 Mal mit den Kästen hin und hergelaufen.

Als ich dann alles bei ihr abgeliefert hatte und am Sortieren war, sagte sie nur: "Die Pflanzen sind alle schon viel zu groß. Aus denen wird sowieso nichts." Wegen der Hälfte davon solle ich mal gleich ihre nächste Gartennachbarin fragen, ob die sie haben wolle (das ist ihre Bekannte nicht meine).

Ich habe der Nachbarin dann doch ein paar Pflanzen rübergetragen, obwohl ich etwas pikiert war. Als ich zurück zu meiner Mutter kam, hat sie mich nur noch runtergeputzt: Ich wüßte doch wohl ganz genau, daß sie den ganzen Kram gar nicht haben wolle. Ich solle das zukünftig ändern und nicht so viel aussäen. Den ganzen Mist wolle doch sowieso keiner. Und die zwei Extra-Pflanzen für die Witwe aus der Nachbarschaft müsse sie nun auch extra noch zi dieser vorbeibringen. Ich habe dann einen großen Teil der Pflanzen wieder zu mir nach Hause(ca. 20 km) genommen.

Erst war ich sauer. Vor einer halben Stunde habe ich dann etwas gegessen und mich wieder ein bißchen beruhigt und sie angerufen. Wollte gar nicht mehr auf irgendwelche Lappalien eingehen.

Zur Begrüßung hat sie hat mich gefragt, ob ich jetzt wieder "normal" sei.

Jetzt bin ich richtig sauer. Ich will mich ihr nicht aufdrängen. Aber wenn sie einen Wunsch äußert, versuche ich das zu regeln. Und wenn sie bei mir Pflanzen bestellt, dann kriegt sie die.

Ich selbst bin in den freien Minuten auch seelisch am Boden. Als ich ihr das mal sagte, bekam ich zur Antwort: "Ich habe Deinen Vater ja wohl länger gekannt als Du." Mit anderen Worten: Sie leidet mehr als ich. Dabei geht es darum doch überhaupt nicht. Die Situation ist für uns alle sehr trauig. Vor allem für meinen Vater.
Als er so krank war, hat sie mir noch erzählt: "Er muß ja wohl auch mal dankbar sein." oder "Der soll sich nicht so anstellen; ich hatte auch schon mal Bauchschmerzen".

Sie hat sich natürlich schon den ganzen Tag um ihn gekümmert. Aber er hat bis auf die letzten drei Wochen auch ständig mit ihr alle noch machbaren Ausflüge unternommen. Trotzdem war ihr alles nicht recht - sie war also auch nicht dankbar. Das war auch schon so, als er noch gesund war. Er war immer der Motor für Feiern, für Ausflüge und für die Lebenslust. Sie hat fast immer erst gemeckert; hinterher war dann doch alles ganz toll.

Und jetzt ist ihr wieder alles nicht recht. Ich bin ihr nicht recht. Die Situation auch nicht (mir auch nicht), die Nachbarn - insbesondere im Schrebergarten sind zwar da und oft auch allein - aber sie geht nicht hin. Sie meckert lieber, daß sie allein ist und der Garten zuviel Arbeit macht. Sie hätte ihn besser kündigen sollen. Wenn ich ihr dann sage, daß wir den Pachtvertrag für den Garten sofort kündigen, wenn sie das wirklich will, dann sagt sie gar nichts.

Sie will nur meckern. Dafür habe ich aber nicht die Kraft. Ich bin auch traurig - mehr als sie sich das vielleicht vorstellen kann. Und mein Beruf ist nun mal seit 18 Jahren mein Beruf. Soll ich den jetzt hinwerfen, damit ich den Tag mit ihr verbringen kann und doch nur höre, daß ich alles falsch mache? Meine Kraft ist auch begrenzt. Ich kann bald nicht mehr. Und doch kann ich sie nicht allein lassen. Ich wünsche mir sie nur anders als sie ist. Wir hatten sie am Wochenende bei uns. Sie hat sich - von Kopf bis Fuß in rabenschwarz gehüllt - bei uns auf eine Bank gesetzt und Zeitungen gelesen. (In schwarz läuft sie nur noch herum, wenn sie unterwegs sein muß - insbesondere dann, wenn wir sie einladen). Und wenn ich aufgestanden bin, um was zu erledigen, wurde ich gleich zurechtgewiesen. Es sei schließlich Wochenende und ich solle mich hinsetzen. Anschließend hat sie mir aber einen Vortrag über ordentliche Gärten und saubere Haushalte gehalten ("...ab und zu müßt ihr ja wohl mal was machen. Die Bettwäsche muß mindestens alle 3 Wochen gewechselt werdeb, die Fenster müssen mindestens alle 14 Tage einmal geputzt werden......")

Ich dreh bald durch.

Marga
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